Ich hab’s nicht gepackt – na und?

09.11.2014 | Anna Brüning

Niederlagen prägen uns stärker als Momente des Glücks. An ihnen können wir wachsen und uns näher kommen. Hier berichten zwei Frauen, wie sie gescheitert sind und am Ende trotzdem ihren Weg gefunden haben.

Annette Hoppmann

„Es gab keinen Ausweg. Ich musste meine Firma aufgeben“

Annette Hoppmann war schockiert, als ihr Geschäftspartner nach zehn Jahren Einigkeit plötzlich einen anderen Weg wählte. Die 44-Jährige verlor ihre Firma – und lernte, auf eigenen Beinen zu stehen.

Die Firma, mein Baby

„Zehn Jahre lang führte ich gemeinsam mit meinem Geschäftspartner erfolgreich eine Personalvermittlungs- und Zeitarbeitsfirma. Wir waren das perfekte Team. Ich konnte mich in jeder Situation auf ihn verlassen. Ich ging so sehr in der Arbeit auf, dass ich gar nicht merkte, wie er sein Leben neu ordnete, weil er eine neue Freundin hatte und mit ihr etwas aufbauen wollte.

Als er mich plötzlich nach einer Unternehmensbewertung fragte, wusste ich: ‚Das war’s‘, denn die braucht man nur, wenn es um Verkauf geht. Innerhalb von drei Tagen musste ich mich entscheiden – Kauf oder Verkauf? Ich habe mich wie ein Tier im Käfig gefühlt. Meine Leidenschaft, meine Zeit, alles steckte im Unternehmen. Doch ich hatte nicht die nötigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und hätte immer Berater gebraucht, um die Firma allein zu führen. Zudem fehlten mir finanzielle Sicherheiten, die Bank hätte das nie mitgemacht. Ich musste aufgeben und das Unternehmen verlassen.

Ein neues Kapitel

Nach meinem Ausstieg ging ich 14 Tage fasten. Keine Ablenkung, nur ich und meine Gedanken. Wie sollte es weitergehen? Ein Zitat von Albert Einstein half mir: ‚Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.‘

Wieder entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Von vorn anfangen. Frei sein. Das war es, was ich wollte. Ich konzentriere mich nun auf Personalvermittlung und Headhunting. Jetzt bekomme ich auch alles alleine hin, das macht mich stolz. Ich habe gelernt, dass man loslassen muss, wenn der andere die Hand wegzieht und es falsch ist, nach dem Handgelenk zu greifen.

Jetzt läuft es gut. Vor einigen Monaten habe ich meinem ehemaligen Geschäftspartner eine Mail geschrieben, in der ich ihm für die letzten zehn Jahre gedankt habe. Ich gebe ihm nicht die Schuld daran, dass ich mein ‚Baby‘ aufgeben musste und will die positiven Erinnerungen mit in die Zukunft nehmen. Damit war eine lange Lebensphase endgültig abgeschlossen. Und ich weiß jetzt: Selbst wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, ich würde alles wieder genauso machen.“